2008 , 3. und 4. Seminarwoche

AUSBILDUNG FÜR ANTHROPOSOPHISCHE HEILPÄDAGOGIK UND SOZIALTHERAPIE BERICHT 3. und 4. Seminarwoche in Jakovzi/Elena v. 20. - 31. Juli 2008

Mitten in Bulgarien, im kleinen Dorf Jakovzi, das neben einer ansehnlichen Kirche nur wenige Häuser und zwei Kneipen aufweist, fand die 3. und 4. Seminarwoche der Ausbildung für anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie statt. Edith Moor, die Initiatorin und Projektleitering begrüßte die TeilnehmerInnen im bulgarischen Sommer, der alle Beteiligten mit ca 30 Grad empfing. Ab dem dem zweiten Tag hatte er ein Einsehen und kühlte auf angenehme Arbeitstemperatur ab. Wie bisher auch, waren die Teilnehmenden aus ganz Bulgarien angereist. Eingeladen waren diesmal auch behinderte Kinder von Teilnehmenden. Alle waren in frisch renovierten Gebäuden untergebracht. Als Seminarraum diente der alte Versammlungsraum des Dorfes, der die gut fünfzig Teilnehmenden gerade noch fassen konnte. Filzen und Plastizieren fanden unter überdachten Vorplätzen statt und das Wetter war gnädig genug, dass das auch stattfinden konnte. Vier Themen standen im Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit: 1. Die Organe und ihre Beziehung zu Krankheit und Gesundheit: Dr. Franziska Keller konnte nicht nur die grundlegenden physiologischen Zusammenhänge erläutern sondern ging weit darüber hinaus, indem sie ihre Beziehung untereinander, sowie zu den Wesensgliedern herstellte und mit zahlreichen Fallschilderungen auch den Bezug zu Menschen mit Behinderung herstellte. Einen besonderen Akzent bekam dieser Teil noch durch die Teilnahme von Kindern, anhand deren Krankheitsbildern – Autismus, Down Syndrom, Schizophrenie – unmittelbar Kinderbesprechungen durchgeführt werden konnte. 2. Praxis der anthroposophischen Heilpädagogik: Dieses Thema wurde nicht nur äußerst fachkundig, sondern auch erweitert duch zahlreiche Praxisbezüge und Übungen von Valerya Medwedeva aus der Schule Phönix in Charkow/Ukraine vorgestellt. Vertieft wurde diese Arbeit durch ein Puppenspiel zu einem bulgarischen Märchen und zwei Gruppen, die sich in den Abendstunden intensiv auf die Aufführung eines eigenen Puppenspiels vorbereiten, das dann in zwei Einrichtungen im nahe gelegenen Städtchen Elena unter großem Staunen von Bewohnern und Mitarbeitenden aufgeführt werden konnte. 3. Die Arbeit an der menschlichen Biographie und ihrer möglichen Gliederung und Betrachtung: Dieses Thema wurde von Dr. Gerhard Herz eingeführt und durch Übungen mit der eigenen Lebensphase der Teilnehmenden verbunden. Die Nähe, die Heilpädagogen und Sozialtherapeuten zu ihren Klienten entwickeln ist ein wichtiges pädagogisches Element. Durch die eigene Beschäftigung mit der Biographie wird auch gleichzeitig die Möglichkeit unterstützt, die nötige Distanz zu dieser Arbeit zu finden. 4. Konfliktbearbeitung: Auch dieses Thema wurde durch Dr. Gerhard Herz eingeführt und durch praktische Übungen veranschaulicht. Es war ein weiterer wichtiger Schritt in die Themenbereiche, die um die pädagogische Arbeit im engeren Sinne herum Bedeutung haben. Die Sprachbarriere wurde wieder durch die präzise und einfühlsame Übersetzungsarbeit von Katja Belopitova fast mühelos überwunden und sie wurde an den verschiedenen Einsatzorten außerhalb des Seminars unterstützt und entlastet durch Rosiza und Dimitar Levashki, Dr. Stoyan Vezenkov und Vesselina Kurtoeva. Die beiden Seminarwochen waren durch einen freien Tag unterbrochen, der zu Ausflügen in das historische Städtchen Elena und zu den naheliegenden Klostern oder zum Kontakt mit der Familie genutzt wurde. Ein Tag war Besuchen in bulgarischen Einrichtung für behinderte Menschen gewidmet. Diese Einblicke in die Lebenssrealität der Arbeit mit behinderten Menschen war sehr wichtig. Nicht nur der materielle Mangel und die Ausstattung der Einrichtungen ist sichtbar. Bei allem Bemühen der dort tätigen Menschen und dem z.T. wirklich spürbaren Engagement ist deutlich, dass die Tradition dieser Arbeit stark bestimmt ist von einem Selbstverständnis der Betreuungskräfte als Aufsichtspersonal, das die therapeutische und förderungsbezogene Arbeit an Spezialisten abgibt. Das Einbeziehen der Betreuten in die alltäglichen Lebensvollzüge und ein ganzheitliches künstlerisches Betreuungskonzept ist eine Kultur, die sich erst noch entwickeln muss. Die Besuche in den Einrichtungen dienten nicht nur dem Einblick in die Praxis, sondern auch der Vernetzung der Ausbildung in das bulgarische Sozialsystem. Neben Gesprächen mit den Bürgermeistern, die in der Regel für die sozialen Einrichtungen zuständig sind, führte das auch zur Einladung der Neueröffnung eines Tageszentrums in Elena. Auch die Tatsache, dass die Seminarteilnehmer das neu eingeübte Märchenspiel in zwei Einrichtungen vorführten, trug zur Verstärkung der Vernetzung bei. Gegen Ende des Seminars hat der Bürgermeister von Jakovzi angeboten, im nächsten Sommer die Kirche als Seminarraum zu nutzen. Damit ist eine entscheidende räumliche Verbesserung möglich, die es den Verantwortlichen erleichtert, Jakovzi, in der Mitte Bulgariens, wieder als Veranstaltungsort zu wählen. Durch eine Mitgliederversammlung des Vereins OporaBG und die Neuwahl des Vorstands, wurde die bulgarische Trägerschaft dieser Ausbildung auf eine neue Basis gestellt. Der Vorstand besteht jetzt aus fünf bulgarischen Seminarteilnehmenden, Edith Moor, die Initiatorin, wurde zur Ehrenvorsitzenden und Gerhard Herz zum Koordinator des Expertenbeirats berufen. In der zweiten Woche kamen mit Konrad Lampart und Dr. Dirk Randoll zwei Vertreter des Hauptsponsors, der Software AG Stiftung zu Besuch, um sich vor Ort einen Eindruck über diese Initiative durch Teilnahme an Programmteilen, Besichtigung der Seminarräume und Plätze und Gespräche mit Dozenten und Teilnehmenden zu verschaffen. Ein weiterführendes Thema war der geplante Bau einer sozialtherapeutischen Einrichtung in Dragodam. Begleitend zum Seminar führten Edith Moor und Gerhard Herz Gespräche mit allen Teilnehmenden, in denen die Teilname an den kommenden zwei Ausbildungsjahren, das vorgesehene Praktikum und die Jahresarbeit für das erste Jahr besprochen wurden. Schon aufgrund der Sprache hat ein Praktikum in slawischsprachigen Ländern Prirorität und tatsächlich streben viele Teilnehmer an, in anthroposophische Einrichtungen in die Ukraine, nach Russland und ins Nachbarland Rumänen zu gehen. Trotzdem bleiben die Schweiz und Deutschland für Praktika attraktiv und einige Teilnehmer werden hier ihre Chancen nutzen. Weil die Reisekosten für alle ein Problem darstellen, wurde ein Reisekostenfonds eingerichtet, der aber noch nicht so gefüllt ist, dass daraus alle Praktikanten einen Betrag von Euro 200 erhalten können. Auch das Seminar selbst ist finanziell noch nicht für die drei Jahre abgesichert, trotz der Zuschüsse einiger Sponsoren. Ein Teil der Zuschüsse sind als sog. Matching-Mittel gegeben, d.h. sie fließen nur in dem Masse, wie sie durch ebenso hohe Mittel von andrer Seite ergänzt werden. In anderen Worten: Jeder Euro oder Leva wird von ihnen verdoppelt. Für beide Aufgabenbereiche werden noch dringend weitere Spenden benötigt. Im Laufe dieser beiden Seminarwochen hat sich selbstverständlich auch im Verhältnis der Teilnehmenden untereinander und zwischen den Teilnehmenden und Dozenten viel an sozialer Dynamik entwickelt. Immer offener werden unter den Menschen die Themen rund um ihre Arbeitswirklichkeit, den Möglichkeiten, Grenzen und Visionen diskutiert und als Organisatoren wird uns immer deutlicher, wieviel an Hoffnung und Bereitschaft zu einer Veränderung in diesen Menschen da ist. In der letzten Seminarwoche hat eine Teilnehmerin, die ein paar Tage davor noch dabei war, ihr erstes Kind geboren. Es wurde zum symbolischen Kind des ersten Seminars für anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie in Bulgarien. Die sing- und tanzfreudigen Bulgaren haben auch die Abende nicht ungenutzt verstreichen lassen und dabei die Westeuropäer in ihre Tänze eingeführt. So ist die Abschlusswoche im Oktober auf vielen Ebenen gut vorbereitet und alle freuen sich darauf, die gemeinsame Arbeit genau so intensiv fort zu setzen. Edith Moor, Projektleiterin Gerhard Herz, Ausbildungsleiter 25. August, 2008 _____________________________________________________ Spendenkonto ACACIA, Fonds für Entwicklungszusammenarbeit Freie Gemeinschaftsbank, Basel Konto ACACIA 2.488.0 Clearing 8392 und PC 40-963-0 für Überweisungen aus der Schweiz IBAN CH13 0839 2000 0000 2488 0 BIC RAIFCJ22XXX für Überweisungen aus dem Ausland Projektvermerk Heilpädagogik/ Bulgarien GLS Gemeinschaftsbank, Bochum Konto ACACIA 329 084 00 Bankleitzahl 430 609 67 für Überweisungen aus Deutschland IBAN DE5743 0609 6700 3290 8400 BIC GENO DE M1 GLS für Überweisung aus dem Ausland Projektvermerk Heilpädagogik/ Bulgarien