Dorina Wassileva: Renan

Mein Praktikum in Sozialtherapie in der „Werksiedlung Renan / CH“
Von Dorina Wassileva, Bulgarien

Praktikumsbericht

Galerie: Renan
Ich möchte meine außerordentliche Dankbarkeit ausdrücken an Frau Edith Moor und den Menschen, die finanziell und auf jegliche Art und Weise meinen dreiwöchigen Aufenthalt für das Praktikum im August 2008 in der sozialtherapeutischen Einrichtung „Werksiedlung, Renan / CH“ für Menschen mit angeborenen Behinderungen und speziellen Bedürfnissen, unterstütz haben. Dieses Praktikum erfolgte im Rahmen des dreijährigen HP- und ST-Seminars in Bulgarien, 2007 – 2010.

Als Magistra in Psychologie mit den Fächern Klinische Psychologie und Sozialpsychologie, hatte ich die Möglichkeit, das Leben der Menschen in dieser Siedlung zu beobachten und mich daran zu beteiligen. Ich habe alle Tätigkeiten, die in Form von Arbeitstherapie praktiziert werden – Arbeit mit Holz, Weberei, Arbeit mit Filz, Bäckerei, Landwirtschaft, Gartenbau sowie auch die unterschiedlichen Formen der anthroposophischen Arbeit mit Kunst als therapeutische Methodik – die Musiktherapie mit Instrumenten, das Singen, Beschäftigungen mit Sprachgestaltung, Eurhythmie, Massage, Physiotherapie kennengelernt. Von großen Bedeutung für mich werden als professionelle und Lebenserfahrungen die erlebten Begegnungen, die ausgetauschten Meinungen mit den Sozialtherapeuten, Psychologen und den den Kunsttherapeuten, bleiben. Das Eintreten in diese ganze Atmosphäre der Familiarität, Wärme und Gemütlichkeit in den Beziehung zu den Menschen mit angeborenen, altersmäßigen und psychischen Behinderungen, half mir, mich über die vielen Unterschiede zwischen dem was um mich herum geschah und dem was in Bulgarien ist, klar zu werden. Diese Menschen hatten die Möglichkeit vollwertig zu leben und zu arbeiten. Sie haben ihre Nützlichkeit gespührt, haben die Früchte ihrer sinnvollen Arbeit gesehen. Sie haben gelebt, Sport getrieben, sich erholt und amüsiert in einer sinnvollen und vollwertigen Art und Weise, in Harmonie mit der Welt rund um sie. Trotz der Empfindung von dieser „Unterschiedlichkeit” zwischen „dort” und „hier” in Bulgarien, verliere ich nicht die Hoffnung, dass mit der Ausbildung unseres Seminares und mit den Erfahrungen aus solchen Begegnungen und Praktiken, die Dinge auch bei uns starten und geschehen, Gott helfe uns dabei!

Während meines Aufenthaltes in der Schweiz hatte ich die wunderbare Gelegenheit, auch die kleine, aber mit Feingefühl und Professionalität geführte Waldorfschule der Familie Anna und Hugo Löffel in der Nähe von Renan zu besichtigen. Frau Isabelle Kuster, unsere Musiktherapeutin, hat uns auch in die große heilpädagogischen Waldorfschule in Bern eingeladen. Dort waren wir gemeinsam mit der anderen Praktikantin aus Bulgarien – Maria Nikolova, beim Unterrichten in unterschiedlichen Klassen sowie auch bei anderen Beschäftigungen im Rahmen eines Schultages anwesend. An einem unserer freien Tage hat uns Frau Edith Moor ins Haus Christopherus, in der Nähe von unserem Berufszentrum, gebracht und uns mit den Menschen und Sozialarbeitern sowie mit den unterschiedlichen Werkstätten und Tätigkeiten dort bekannt gemacht.

Ich denke, dass alles Gesehene, Erlebte und Umgedachte nicht nur als eine persönliche und professionell erworbene Erfahrung in mir bleiben wird, sondern auch als eine wertvolle Erfahrung, die ich meinen Kollegen aus dem Seminar erzählen und die ich ihnen weitergeben werde. Das ist der Weg nicht nur für mich, sondern auch für sie, wenn wir in Länder gehen, wo die Sozialfürsorge für diese Menschen ein so hohes Niveau der Humanität und Professionalismus erreicht hat, unsere Erfahrung unter uns weiterzugeben, damit wir auch unseren Menschen mit Behinderung hier in Bulgarien eine sinnvolle und vollwertige Existenz erschaffen und sie dabei unterstützen können..

Mit Respekt und Dankbarkeit: Dorina Wassileva
29. August 2008, Sofia, Bulgarien