Jordanka Koleva-Wassileva: Panteleimon

BERICHT
Über mein Praktikum in Rumänien, im Sozialtherapeutischen Zentrum Panteleimon (vom 10. – 27.09.2008)

Jordanka Koleva-Wassileva

Das Sozialtherapeutische Zentrum Panteleimon bei Bukarest erfüllt nach meiner bescheidenen Meinung die Interessen und Bedürfnisse nach Fürsorge, menschlicher Wärme, Liebe und Beschäftigungen der behinderten Menschen.

Die Beschäftigungen mit den Jugendlichen mit Behinderungen bereiteten mir keine Schwierigkeiten. Die Beschwernisse kamen dadurch, dass ich kein Rumänisch kann, aber mit Hilfe von Ivajlo, meinem bulgarischen Kollegen, der mit der rumänischen Sprache gut zurecht kommt, kam alles auf seinen Platz.

Die Tagesstruktur war wie folgt: (es gab einige Änderungen in Abhängigkeit von der Jahreszeit, zuerst war sie sommerlich, und danach herbstlich)

7.00 – Aufstehen und morgendliche Toilette
7.30 – Frühstück, Aufräumen des Speiseraumes
9.00 – Beschäftigungen mit Arbeit (Arbeit im Atelier, Haushaltsarbeit in der Küche und Bautätigkeiten, Landwirtschaft, Künste).
11.00 – 11.30 – Vormittagspause (leichtes Frühstück, Spaziergänge im Hof, Schaukeln)
11.30 – 13.00 – Mittagessen im Speiseraum und Aufräumen des Speiserau­mes, Hygiene, Geschirr spülen.
14.00 – 15.00 – Mittagspause
15 .00- 17.00 – wieder Beschäftigungen mit Arbeit, Künsten, manchmal Gespräche im Speiseraum.
17.00 – Abholung von den Eltern (für die extern Begleiteten)
ab 17.00 - 19.30 – Abendessen zubereiten von den übrigen im Heim
19.30 – Abendessen, Aufräumen der Küche, der Zimmer der Behinderten
20.30 – 21.30 – Gespräche, Märchen, Kartenspiel, Filme
21.30 – Hygiene
22.00 – Schlaf

Das Pantelimon-Zentrum funktioniert seit 4 Jahren. Die 14 jungen Menschen mit Behinderungen sind von 14 bis 33 Jahre alt. Die Sozialtherapeuten sind ca. 10 , an der Spitze mit dem Zentrumsleiter und der Verwaltung. Die Konferenz ist das beratende Selbstverwaltungsorgan. Darin sind die Zöglinge, die Betreuer, die Bauarbeiter , die Zentrumsleiterin und die Gäste eingeschlossen. Die Finanzierung kommt von einem deutschen Verein und von den Eltern. Für einen Monat braucht man den Betrag von 2300 Lei pro 1 behinderte Person (= ca….Euro). Die Familien der behinderten Menschen geben Geld je nach ihren Möglichkeiten, und wenn das Geld unter diesen Betrag liegt, wird der Betrag durch Sponsoren ergänzt.

Die Tätigkeiten, mit denen sie sich beschäftigen, sind: Landwirtschaft, Handwerke, Künste.

Als Mutter einer jungen Frau mit psychischen Störungen würde ich erklären, dass ich meine Tochter einer ähnlichen Einrichtung anvertrauen würde, wenn so etwas erforderlich wird. Ich möchte noch dazu sagen, dass ich als soziale Mitarbeiterin und Betreuerin in einer solchen Einrichtung arbeiten würde. Ich hoffe, dass ich dort – in Pantelimon - nützlich gewesen bin. Ich selbst habe mich wohl gefühlt, ich wurde freundlich aufgenommen. Zum ersten Mal habe ich vieles gesehen und vieles gelernt:

1. Ich habe begriffen, dass der Betreuer und der betreute behinderte Mensch gleichgestellt sind; sie kommunizieren auf einer Ebene – die eine Seele mit der anderen Seele.
2. Der Patient, abgesehen von seinem Zustand, ist eine aktive Persönlichkeit, geachtet und mit einer menschlichen Würde.
3. Es gibt nicht mal eine Andeutung von Zwang und Gewalt!
4. Es gibt jedoch auch keine Duldung von Faulheit und von einem unwürdigen Verhalten. Solche werden mit Taktgefühl und Diplomatie beseitigt.
5. Die Arbeit, die Künste, die Menschlichkeit, der Glaube an Gott, die Disziplin, die Hygiene, das Ethos, die Gleichberechtigung – dies sind die Regeln, die alle – sowohl Betreuten als auch Betreuer, Eltern - führen.

Wir wurden gut aufgenommen, wir haben uns wohl gefühlt, wir wurden mit Achtung verabschiedet und man hat uns eingeladen, wieder hinzugehen.

Ich bin Edith Moor bzw. den Sponsoren dankbar für die mir zur Verfügung gestellte Möglichkeit, dorthin zu gehen und mit meinen eigenen Augen das alles zu sehen.

Varna, den 20.10.2008 Mit Hochachtung: Jordanka Koleva - Wassileva