Bericht der 12. Seminarwoche für anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie in Bulgarien, 06.-10.April, 2010
Frühlingserwachen mit Sonnenaufgang
Fotos
Die 12.Seminarwoche vom fand diesmal direkt an der Schwarzmeerküste statt. Wie auch der letzte Seminarort in Sofia, hiess es „Haus der Wissenschaft“, war aber ein 12-stöckiges Hochhaus mit Blick auf den Sonnenaufgang über dem Meer. Nach der Winterpause erst kürzlich wieder eröffnet, gehörten wir zu den ersten Gästen und hatten das riesige Hotel fast für uns alleine zur Verfügung, inklusiv des internen Mineralbades, welches gratis benutzt werden konnte. Täglicher hörten wir wunderschöner Klaviermusik von Grieg und Beethoven, gespielt von den beiden Seminaristinnen Dorina und Jordanka, die damit die Eurythmie begleiteten, aber auch zusammen mit Konstantins Geige die Pausenzeiten erfüllten.
Nach sovielen gemeinsam erlebten Seminarwochen, freute man sich wiederzusehen und hatte sich viel zu erzählen. Von den 38 Teilnehmenden, konnten diesmal 32 dabei sein, wobei von den Fehlenden zwei in ihrem Praktikum in der Ukraine waren, drei beruflich und eine wegen ihrem kranken Kind verhindert gewesen sind. Also insgesamt wieder eine erfreuliche Teilnahme aus allen Teilen Bulgariens und mit bis zu 12-stündigen Anreisewegen. Natürlich trägt da auch die Seminarregel dazu, dass man nicht mehr als 1 Woche pro Jahr fehlen darf, aber auch die laufende Diplomarbeit, die während der Seminarien immer zu vielen Gesprächen mit den anwesenden Dozenten führen und die Wichtigkeit des Mentorensystemes verdeutlichen.
Jeder Seminartag begann wieder mit einem rhythmisch, musikalischen Teil, diesmal geleitet vom Seminaristen Konstantin, der dafür selberkomponierte pentatonische Lieder und immer komplizierter werdende Rhytmen mit uns einübte.
Valeriya Medvedeva, die bereits zum vierten mal aus der Ukraine nach Bulagrien gereist kam, führte als Hauptreferentin durch die Themen : heilpädagogischer Unterricht in der Oberstufe, Handwerkunterricht, Kinderbesprechung, Arbeit mit dem heilpädagogischen Kurs. Anschliessend an frühere Vorträge behandelte sie auch nochmals den persönlichen Schulungsweg des Lehrers und forderte die TN dazu auf, damit eigene Erfahrungen zu sammeln und sie in den Regionalgruppen auszutauschen.
Pünktlich auf diese 12.Seminarwoche ist nun auch die bulgarische Uebersetzung des heilpädagogischen Kurses von R.Steiner erschienen, welche dank der Uebersetzung von Rositza und Dimitar Levashki währen ihres Studiums in Witten-Annen (Heilpädagogik und Eurythmie) und der Redigierung des Vorsitzenden der anthroposophischen Gesellschaft Bulgariens, Dr.Dimitar Dimchev, sowie der Unterstützung des anthroposophischen Verlages in Bulgarien, verwirklicht werden konnte. Dafür sind wir ihnen allen sehr zu Dank verpflichtet.
In 2 Blöcken wurden täglich die Fächer Eurythmie und Formenzeichnen unterrichtet. Deyan Dimitrov, einer der wenigen bulgarischen Eurythmisten, der allerdings in Lörrach wohnt und sich weiter in Bühneneurythmie ausbildet, führte, aufbauend auf die letzte Seminarwoche die TN von der Tonleiter zu den Intervallen und zu den Bewegungen nach der Musik der „Solveigh“(Grieg) und der Mondschein-Sonate (Beethoven). Zusätzlich hielt er auch einen Vortrag zu der Bedeutung der Kunst im heutigen Leben, der einmal mehr auch die Bedeutung des Kunstunterrichts an unserem Seminar, nämlich als Selbsterfahrung und Schulung der persönlichen Aufmerksamkeit und Sensibilität verdeutlichte und keineswegs als therapeutische Ausbildung, wie das viele am Anfang gemeint hatten.
Nachdem Edith Moor im ersten Jahr bereits einmal in das Formenzeichnen eingeführt und Frederik Stöckli ein zweites Mal das Fach von einer künstlerischen Richtung her beleuchtet hatte, führte Dorothea Schmid, langjährige Lehrerin im heilpädagogischen Institut Eckwälden bei Bad Boll, die TN nun methodisch ein in das Formenzeichnen durch die verschiedenen Schuljahre. Dabei ergänzte sie den Unterricht mit vielen eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen aus ihrer Praxis.
Erwähnt soll hier werden, dass all diese neuerworbenen Kenntnisse von vielen direkt und praktisch an ihrem Arbeitsort umgesetzt werden, wie z.B. bei Silvia in ihrem Kinderhort in Sofia aber auch bei Maria in der Hilfsschule Karnobat, die diesmal von Edith Moor anschliessend an das Seminar besucht wurden.
Ein weiterer Teil des Seminares galt den Fragen rund um die Schulorganisation, der Leitbildfrage und der Gründunung eines NGO (Nicht Regierungs Organisation) und Führung eines Vereines. Die beiden Seminaristinnen Zornitsa und Radka, die sich dafür als Referentinnen zur Verfügung gestellt hatten, konnten aus eigener Erfahrung berichten. Beide setzen sich seit vielen Jahren für die Entwicklung in der Behindertenarbeit ein und führen einen NGO, der eines der ersten Tageszentren in BG eröffnet hatte. Sie eröffneten auch die Diskussion um einen Dachverband, der die Initiativen der verschiedenen Regionalgruppen untereinander vernetzten und für den nötigen Kontakt und die Weiterbildung unter den Seminar Teilnehmenden nach dem Seminar sorgen sollte. Diese Diskussion wird im nächsten Seminar weitergeführt und braucht Zeit um zu reifen.
Zu erwähnen sind dabei die drei neusten Initiativen der Regionalgruppe Smolian (Aufbau eines Vereines und einer Tagesstätte für behinderte Menschen), der Regionalgruppe Pleven
(Freizeitgruppe für behinderte Jugendliche) und Sofia (Gründung eines Elternvereines zur Gründung einer Waldorfschule).
Gegen Ende der Woche hatten wir Besuch eingeladen. Elena Ikonomova aus Varna stellte uns ihren Verein und ihre Kurse zur Förderung des traditionellen Handwebens vor. Einige TN haben sich darauf spontan zu einem Kursbesuch angemeldet, da wir ja in unserem Sommerseminar auch in das Thema „Handweben in der Sozialtherapie“ einführen werden und dazu viele Webgeräte gesammelt und nach Bulgarien transportiert haben.
Ein weiterer Referent, Professor Tomov, kam von der privaten „Neuen bulgarischen Universität“ Sofia, mit der wir in Verhandlungen getreten sind für eine universitäre Akkreditierung unseres Seminares und der Weiterführung der Waldorfpädagogik- und Heilpädagogik Ausbildung in einem staatlich anerkannten Rahmen.
Er hielt ein Referat zum Thema der „Reformbewegung in der Psychiatrie in Bulgarien“ und brachte dabei zum Ausdruck, dass diese trotz der geforderten EU-Kriterien und den guten Ansätzen gescheitert ist. Seiner Meinung nach können Veränderungen nur von „unten“ her entstehen und ist von „oben“ weiterhin wenig Hilfe zu erwarten. Anschliessend an einige Präsentationen der TN aus ihren Erfahrungen im Seminar und den Praktika im Ausland, erklärte er, dass er diese Ausbildung sehr sinnvoll finde und sich dafür einsetzen werde, dass wir einen Platz dafür an seiner Uni finden könnten.
Die wenigen freien Seminarzeiten wurden von Vielen dazu benutzt unter der Anleitung der zwei Seminaristinnen Rosalia und Neli, Marionetten-Figuren und Puppen aus Wolle herzustellen, eine Technik, die die beiden während ihrem Praktikum in Kiev kennengelernt hatten und bereit waren weiterzugeben.
Gleichzeitig fanden mit einzelnen intensive Gespräche über ihre Diplomarbeiten statt, welche von unseren Dolmetscherinnen hingebungsvoll übersetzt wurden.
Wir verbrachten wieder den letzten Abend in einem traditionellen Lokal bei Essen, Musik und Tanz, ein ritueller Akt der zum Gemeinschaftsgefühl der BulgarenInnen und der ausländischen Dozenten inzwischen dazu gehört.
Eine leichte Trübung der Woche bestand in der Tatsache, dass wir die Finanzierung der letzten der 15 Wochen, der Abschlusswoche im selben Hotel, ende September, noch nicht gefunden haben. Doch angesichts der grosszügigen Spenden über all die 3 Jahre hinweg, besteht viel Zuversicht und Hoffnung, dass wir auch diese Hürde noch schaffen können.
Wir verabschiedeten uns mit dem bulgarischen „do skoro“(bis bald) und dem „vsitschko dobro“ (alles Gute) und „da schive i strave“ ( Glück und Gesundheit), bis im Sommer in Jastrebino.
Mit einem herzlichen Dank an Valeriya, Dorothea, Deyan, Konstantin, Zornitsa, Radka und den fantastischen Dolmetscherinnen Katya und Iordanka, sowie den Klavierspielerinnen Dorina und Jordanka.
Edith Moor-Vasilev (Seminarorganisation)